Via Integra

Fr Mark's progressive Anglo-Catholic take on European Christianity

  • This is my collection of material about the current state of the churches in Europe. I am interested in looking at how they are dealing with the pressing issues of our time: the issues of gay people and women in ministry/ leadership are particularly pressing at the moment, as is the area of declining church attendance.

    I would like to see how Europe's traditional religious institutions are coping with the new Europe currently being forged, in which public opinion and ethical attitudes are becoming inceasingly pan-European, and are evidently presenting a series of strong challenges for the churches.

Germany/Lutheran Church – the gay issue

Posted by Fr Mark on July 28, 2010

This article in Germany’s leading newspaper deals with the handling of the issue of homosexuality at the meeting of the Lutheran World Federation (at which 70 million Lutherans worldwide were represented), and compares the Lutheran Church’s smoother treatment of the matter with the ructions in the Anglican Communion. It was an irony to invite Rowan Williams to speak to the conference, says the article, as he has lost control of the situation in his own church by meeting advocates of gay emancipation with a largely unsuccessful mixture of silence and repression. Asking why the Lutheran Church has so far dealt with the issue so much better, the article cites the President of the Lutheran World Federation, Bishop Mark Hanson of Chicago. He says that he does not try to exercise  a central authority which he does not have. Instead, Lutherans rely on a fundamental of the Lutheran Reformation: that the unity of the Church is found not primarily in moral teaching and human rituals, but in the correct understanding of the Gospel: justification not by works, but by faith alone.

From Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.7.10:

http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008142959199A04A6FD8EC44/Doc~E2DE8EB071C104B3E96C2D3B299025ADD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Zerreißprobe für die Lutheraner

Der Lutherische Weltbund stemmt sich gegen einen ähnlichen Zerfallsprozess, wie er derzeit in der anglikanischen Weltkirche stattfindet. Schon eine Vertagung des Konflikts über homosexuelle Pfarrer wäre dabei ein Erfolg.

Erzbischof Rowan Williams, Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, begegnet Befürwortern der Homosexuellen-Emanzipation mit Schweigen und Repression

22. Juli 2010 

Ein einziges Mal hält Ishmael Noko inne und tupft sich mit einem Tuch fiktive Schweißperlen von der Stirn. Der Rest seines Vortragsmanuskripts ist nicht länger als eine Seite. Es könnten die wichtigsten elf Sätze seiner 16 Jahre währenden Amtszeit sein. Der scheidende Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB) schlägt den Delegierten, die aus aller Welt nach Württemberg angereist sind, vor, die Vollversammlung möge über „Herausforderungen im Blick auf Fragen der Ehe, der Familie und der Sexualität“ keine eingehenden Beratungen anstellen. Das Wort „Homosexualität“, kommt Noko nicht über die Lippen.

Und doch ist der Umgang der Kirchen mit Homosexualität diejenige Frage, welche die Gemeinschaft der 70 Millionen Lutheraner in den 145 Mitgliedskirchen des LWB an den Rand einer Spaltung bringt. Vor allem die rasant wachsenden Kirchen aus Afrika wollen nicht akzeptieren, dass sich Kirchen des Nordens entschließen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen, homosexuelle Theologen zu ordinieren oder sogar in Bischofsämter zu wählen. Manche Delegierte aus Europa und Nordamerika halten den Widerstand aus dem Süden für ignorant, was dort als „eurozentristisch“ gilt.

In harter Konkurrenz mit dem Islam oder charismatischen Kirchen

Die Gegner begründen ihre Ablehnung der Homosexualität über Schriftstellen: Schwuler Sex sei schlicht verwerflich. Unter den Afrikanern dürfte dabei allerdings auch ein Ressentiment gegenüber den Europäern mitschwingen, mit dem der LWB seit langem zu kämpfen hat. Sie verweisen darauf, dass die Europäer mit großer moralischer Orchestrierung Dinge tun, über die Missionare vor Jahren noch das Gegenteil lehrten. Und es gibt noch eine dritte Erklärung des Konflikts: Die lutherischen Kirchen des Südens stehen in harter Konkurrenz mit dem Islam oder charismatischen Kirchen. Durch rigide Moralvorstellungen bezüglich Ehe, Alkohol und Fleiß befördern diese religiösen Strömungen den sozialen Aufstieg ihrer Mitglieder. Das Gerücht, Homosexualität zu fördern, geriete für Lutheraner in dieser Umgebung zum Wettbewerbsnachteil.

Auch deshalb hat Anfang des Jahres die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania, die im vergangenen Jahr laut LWB-Statistik um 670.000 auf 5,3 Millionen Mitglieder gewachsen ist, einen Brief versandt, der die Gerüchte über den Zerfall des Weltbundes befeuerte. Mit eigentümlichem Stolz kündigte die zweitgrößte LWB-Kirche darin an, kein Geld mehr von Kirchen anzunehmen, die gleichgeschlechtliche Paare segnen.

„Es ist wichtig, dass wir gemeinsam voranschreiten“

Gebannt blicken die Delegierten deshalb auf den Mann, der sich unmittelbar nach Ishmael Nokos Appell, nicht über Homosexualität zu verhandeln, zum Mikrofon begibt. Es ist Elisa Buberwa, Bischof von Tansania. Sein weites schwarzes Kollarhemd aus seidigem Stoff fällt ihm fast bis zu den Knien herab. Der hagere Bischof ist eine Erscheinung von schlichter Eleganz. Sollte er dem Generalsekretär widersprechen und den Konflikt schüren – die Spaltung des Weltbundes wäre mit Händen zu greifen. Buberwa kommt ohne lange Umschweife auf den entscheidenden Abschnitt der Rede des Generalsekretärs zu sprechen. Er verstehe Nokos Appell als Mahnung zur Geduld. Dann die Entwarnung: Auch Tansania wolle energisch raten: „Dass wir uns beeilen, ist nicht nötig. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam voranschreiten.“ Sonst sei nicht glaubwürdig, dass die Kirche die Einheit der Menschen stärken könne.

Eine Spaltung des LWB scheint mit diesem Statement gleich zu Beginn der Vollversammlung abgewendet. Die Vorarbeit Nokos bei seinen afrikanischen Kollegen in den Monaten vor dem alle sieben Jahre stattfindenden Treffen wäre somit von Erfolg gekrönt. Buberwa tritt dafür ein, das Ende des 2007 begonnenen Konsultationsprozesses über Sexualität im Jahr 2012 abzuwarten. Der schwelende Konflikt soll also ein weiteres Mal vertagt werden. Aber Buberwa formuliert etwas gewunden die Bedingung Tansanias: Alle LWB-Kirchen sollten sich dem Ruf zur Geduld unterordnen und keine „Entscheidungen in eine Richtung“ fällen.

Der Kampf der Kulturen ist mitnichten allein ein Nord-Süd-Konflikt

Angesprochen dürfen sich davon Schweden und Amerikaner fühlen. Die Schweden haben vor kurzem für die Trauung Homosexueller einen Ritus entwickelt. Sie waren dazu als De-facto-Staatskirche allerdings durch ein Gesetz genötigt worden. Übler wird ihnen von den Afrikanern genommen, dass die im vergangenen November gewählte Bischöfin von Stockholm schon vor ihrer Wahl keinen Hehl daraus machte, dass sie mit einer Frau zusammenlebt. Die Verabredung im LWB, über „Ehe, Familie und Sexualität“ zunächst nur zu beraten, wurde von den Schweden ignoriert. Die Amerikaner wiederum haben im vergangenen Jahre ihre – in der kirchlichen Praxis allerdings oftmals umgangene – Regelung, dass homosexuelle Pastoren zölibatär leben müssen, dahingehend geändert, dass diese fortan mit ihren Partnern zusammenleben dürfen, solange die betreffende Kirchengemeinde nichts dagegen einzuwenden hat.

In Scharen laufen seither die Gläubigen der Kirche des LWB-Präsidenten Bischof Mark Hanson davon. Der Konflikt spiegelt auch einen Graben in der amerikanischen Gesellschaft: In den Seminaren der großen Städte werden äußerst progressive junge Theologen herangezogen, die dann in die Landgemeinden nachrücken und dort auf Gläubige stoßen, die lieber konvertieren als sich auf die neue Färbung einzulassen. Der Kampf der Kulturen innerhalb des Lutherischen Weltbundes ist somit mitnichten allein ein Nord-Süd-Konflikt. Selbst die lutherischen Landeskirchen in Deutschland sind im Umgang mit Homosexualität uneins: hier die mehrheitlich konservativen Württemberger, dort die progressive nordelbische Kirche, die bereits einen Schwulen als Kandidaten für ein Bischofsamt nominiert hatte.

Nicht mehr als ein Aufschub

Seit der mit einem Mann in einer eingetragenen Partnerschaft lebende Anglikaner Gene Robinson 2003 zum Bischof von New Hampshire gewählt worden ist, wird die anglikanische Gemeinschaft, in Größe, Struktur und Geschichte den Lutheranern nicht ganz unähnlich, ihrer Spaltungen nicht mehr Herr. Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury und spirituelles Oberhaupt der Anglikaner, hat die Kontrolle über die Lage verloren. Die Entscheidung des Lutherischen Weltbundes, das Hauptreferat zum Tagungsmotto „Unser tägliches Brot gib uns heute“ von Rowan Williams halten zu lassen, entbehrt deshalb nicht einer gewissen Ironie – zumal sich LWB-Präsident Mark Hanson und Rowan Williams frappierend ähnlich sind: Mit ihren weißen Bärten, dem schütteren Haar und einer leicht gebeugten Schreibstubenhaltung erfüllen sie schon äußerlich das Klischee des linksliberalen Intellektuellen. Zudem pflegen der renommierte Oxford-Patristiker Williams und der Chicagoer Bischof denselben hochdifferenzierten Zugang zu ihrer theologischen Tradition – ein Zugang, der freilich nicht überall verstanden und geschätzt wird.

Gleichwohl scheint Mark Hanson zum Abschluss seiner Amtszeit im Vergleich zu Williams die bessere Strategie gewählt zu haben: Statt dem Konflikt wie Williams mit einer wenig gelungenen Mischung aus Schweigen und Repression gegenüber den Befürwortern der Homosexuellen-Emanzipation zu begegnen, zieht Hanson mit Leidenschaft und Offenheit gegen die drohende Spaltung zu Felde: „Ich habe große Sorge, dass wir an einem Abgrund stehen“, warnt der scheidende Präsident. 2017, das 500-jährige Reformationsjubiläum, dürfe nicht zum Jahr einer Kirchenspaltung werden. Statt auf eine Autorität, die er nicht hat, stützt sich Hanson auf einen Grundgedanken der lutherischen Reformation: Die Einheit der Kirche besteht in erster Linie nicht in moralischen Lehren und menschlichen Riten, sondern im richtigen Verständnis des Evangeliums: Gerechtigkeit nicht aus Werken, sondern allein aus Glauben.

Falls bis zum Abschluss der Vollversammlung am kommenden Dienstag keine Rebellion erfolgt, haben Hanson und Noko gemeinschaftlich bewiesen, dass das innere Band des Bekenntnisses weiterhin Menschen über Kulturschranken zu verbinden vermag. Gleichwohl: Mehr als einen Aufschub haben sie nicht erreicht. Wenn der LWB Glück hat, wird künftig die Einsicht größer, dass es für religiöse Gemeinschaften wichtigere Fragen gibt als die Homosexualität. Auch bei der Frauenordination, die der LWB mit Nachdruck befürwortet, werden manche Rückschritte (Lettland etwa hat sich entschieden, die Ordination von Frauen einzustellen) durch zahlreichere Fortschritte überwogen.

Text: F.A.Z.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

 
%d bloggers like this: