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Fr Mark's progressive Anglo-Catholic take on European Christianity

  • This is my collection of material about the current state of the churches in Europe. I am interested in looking at how they are dealing with the pressing issues of our time: the issues of gay people and women in ministry/ leadership are particularly pressing at the moment, as is the area of declining church attendance.

    I would like to see how Europe's traditional religious institutions are coping with the new Europe currently being forged, in which public opinion and ethical attitudes are becoming inceasingly pan-European, and are evidently presenting a series of strong challenges for the churches.

Germany – the gay issue

Posted by Fr Mark on September 1, 2009

180px-Coat_of_Arms_of_Germany_svgThe Lutheran Church of the Palatinate (Evangelische Kirche der Pfalz) has decided to allow the blessing of same-sex couples.

 

 

 

 

From http://www.protkirchekirkel.de/cms/index.php?id=13,86,0,0,1,0

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare
Offene Türen bei der Protestantischen Kirchengemeinde

 

Am 1. August 2001 trat in Deutschland das „Lebenspartnerschaftsgesetz“ in Kraft. Dieses Gesetz gewährt die rechtliche Anerkennung und die Regelung einer auf Dauer angelegten und verbindlichen Lebensgemeinschaft zweier gleichgeschlechtlich orientierter Menschen. Dieses Gesetz forderte die Kirchen zur Diskussion und zur Stellungnahme über die seelsorgerliche Begleitung von homosexuellen Menschen. Auch wenn sich eine eingetragene Lebensgemeinschaft von einer (juristischen) Ehe unterscheidet, stellt sich die Frage nach der gottesdienstlichen Begleitung von Paaren in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft.

 

Die Evangelische Kirche der Pfalz hat nach einem langen Diskussionsprozess mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare grundsätzlich möglich ist. Allerdings kann keine Kirchengemeinde und kein(e) Pfarrer(in) gegen ihren/seinen Willen dazu gezwungen werden eine Segnung zu vollziehen. Daher ist jede Kirchengemeinde der Pfälzischen Landeskirche gefordert, zusammen mit dem Pfarrer/der Pfarrerin eine eigene Position zu finden.

 

Das Presbyterium der Protestantischen Kirchengemeinde Kirkel-Neuhäusel hat sich intensiv mit dem Thema Homosexualität und der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften befasst. Folgende Erkenntnisse haben das Gremium bei seiner Diskussion geleitet: Homosexualität ist ein uraltes Phänomen. Sie existiert seit es menschliche Kultur gibt. Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Homosexualität keine Krankheit, sondern eine hormonell oder genetisch bedingte Spielart der Natur. Menschen neigen im allgemeinen dazu, sich in Liebe, Sexualität und gegenseitiger Verantwortung in Partnerschaften einander zuzuwenden. Dies haben homosexuell wie heterosexuell lebende Menschen gemeinsam. Von daher besteht kein Grund, Homosexuelle als behandlungsbedürftig oder gar als Menschen zweiter Klasse zu sehen.

 

Seit es christliche Gemeinden gibt gehören homosexuell lebende und liebende Menschen zu ihr. Wendet sich Kirche Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu, dann wendet sie sich an Menschen in ihren eigenen Reihen. Problematisch sind dabei Bibelstellen, in denen Homosexualität eindeutig abgelehnt wird (z.B. 3. Mose 18, 22). Der  biblische Befund  führte zur Jahrhunderte langen Ausgrenzung und Diskriminierung bis hin zur Verfolgung von homosexuellen Menschen. Ein theologischer Erkenntnisprozess war es, dass biblische Aussagen nicht wortwörtlich anzusehen sind. Vor allem nicht Gebote bezüglich der Sexualmoral und der Lebensformen einer vorderorientalischen Kultur vor 2.500 Jahren. Nähmen wir die normativen Aussagen der Bibel wortwörtlich, kämen wir in ganz andere Schwierigkeiten: Wir müssten die Vielehe (Polygamie) wieder einführen, wir müssten die Scheidung verbieten (Matthäus 19, 6), wir müssten menstruierenden Frauen den Gottesdienstbesuch untersagen (3. Mose 15, 19-24), Väter dürften ihre Töchter in die Sklaverei verkaufen (2. Mose 21, 7), wir müssten Menschen mit Sehschwächen (Brillenträger) das Lesen in der Bibel untersagen (3. Mose 21, 20) und wir müssten allen Frauen verbieten, sich aktiv am Gemeindeleben zu beteiligen (1. Korinther 14, 34).

 

Bereits Jesus hat erkannt, dass es nicht möglich ist, Gebote und Verbote der Bibel kritiklos anzuwenden. Richtungsweisend ist für Jesus das Liebesgebot. Das höchste Gebot für Jesus ist es, Gott die Ehre zu geben und seinen Nächsten zu lieben, wie sich selbst (Matthäus 22, 36-39). Gottes Liebe zum Menschen  zählt mehr als gesellschaftliche Normen. Für Jesus steht der Mensch im Zentrum. Die Gebote sollen dem Menschen ein Leben in Freiheit, in Würde und Liebe eröffnen. Wo dies nicht der Fall ist, übertritt Jesus die Gebote seiner Zeit. Er rettet eine Ehebrecherin vor der Steinigung oder erlaubt einem Arzt am Sabbat zu arbeiten.

 

Vom Gebot der Liebe her als dem höchsten Gebot gibt es keinen Grund, Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, den Segen und den Zuspruch Gottes zu verweigern. Denn homosexuell lebende Paare erfahren genau so wie heterosexuell lebende Paare ihre Liebe als Gabe Gottes.

 

Aber die Frage, die in diesem Zusammenhang  immer wieder gestellt wird lautet: Dürfen wir als Kirche überhaupt homosexuell lebende Menschen segnen?

 

Die Antwort: Warum nicht? Es werden in unseren Gottesdiensten     viele      Menschen      gesegnet. Es ist eine lange und gute Tradition, Menschen den Segen zuzusprechen. Dies geschieht bei Taufen, an Kranken- oder Sterbebetten, bei Gemeindereisen, an lebensgeschichtlichen Übergängen, in Krisen oder bei Neuanfängen, zum Schulbeginn, usw. Der Segen gehört zur seelsorgerlichen Begleitung von Menschen. Zu segnen bedeutet aber nicht, alles kritiklos „abzusegnen“. Segen hat bei Partnerschaften oder bei der Ehe etwas mit Ernsthaftigkeit zu tun. Gott segnet nicht ab, sondern er segnet Menschen, die sich z.B. füreinander in Liebe und gegenseitiger Achtung entschieden haben. Und da dies homosexuelle Paare genau so tun, wie heterosexuelle Paare, sollte die Kirche nicht den Zuspruch Gottes verweigern.

 

Es gibt aus christlich-biblischer Sicht nicht „die einzig wahre Lebensform“. Aus der Sicht von Jesus zählt allein, dass Menschen in Freiheit ihr Leben gestalten können, dass sie in Liebe und Verantwortung miteinander umgehen und dass sie sich mit ihrer Persönlichkeit und Neigung als von Gott geliebte und geachtete Wesen  fühlen.

 

Daher sind auch wir frei, uns Jesu Geist zu öffnen, Vorurteile zu hinterfragen und Menschen zu akzeptieren, deren Art zu leben uns bisher fremd war. Und schließlich: Homosexuell orientierte Menschen gehören als Christinnen und Christen zu unseren Gemeinden dazu. Sie wünschen sich wie viele andere auch für ihre Form des Zusammenlebens gottesdienstliche Begleitung und Segen. Und gerade die Kirche will daran erkannt werden, dass sie Menschen in Liebe und Barmherzigkeit begegnet. Denn auch die Kirche lebt allein aus und von der Liebe und Barmherzigkeit des gnädigen Gottes. Und wovon wir leben, sollten wir anderen nicht verweigern.

 

Aus diesen Überlegungen heraus hat sich das Presbyterium mit großer Mehrheit grundsätzlich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der Protestantischen Kirchengemeinde Kirkel-Neuhäusel ausgesprochen.

 

Pfarrer Florian Geith 

 

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