Via Integra

Fr Mark's progressive Anglo-Catholic take on European Christianity

  • This is my collection of material about the current state of the churches in Europe. I am interested in looking at how they are dealing with the pressing issues of our time: the issues of gay people and women in ministry/ leadership are particularly pressing at the moment, as is the area of declining church attendance.

    I would like to see how Europe's traditional religious institutions are coping with the new Europe currently being forged, in which public opinion and ethical attitudes are becoming inceasingly pan-European, and are evidently presenting a series of strong challenges for the churches.

Austria – the gay issue

Posted by Fr Mark on August 8, 2009

500px-Austria_Bundesadler_svgInterview with an openly gay partnered Lutheran minister in the parish of Hallein. It says that partnered clergy have been permitted since 1996.

From Echo Salzburg

http://www.echoonline.at/index.php?option=com_content&view=article&id=388:ein-ganz-normaler-pfarrer&catid=27:chronik&Itemid=56

Ein ganz normaler Pfarrer

Homosexualität und Kirche. Peter Gabriel wohnt mit seinem Lebensgefährten Peter Pröglhöf
im evangelischen Pfarrhaus der Gemeinde Hallein. Bei der Wahl zum Pfarrer setzte er sich gegen
einen dreifachen Familienvater durch.

 

 

Sein „Coming Out” hatte Peter Gabriel während des Theologiestudiums in Deutschland. Gebürtig in Delmenhorst, einer Industriestadt bei Bremen, begann er, sich während des Konfirmandenunterrichts für die Sache Jesu zu begeistern. Er verspürte den Wunsch, Pfarrer zu werden. „Coming Out” bedeutet, sich selber klar zu werden und dann dazu zu stehen, schwul zu sein. Dies war für Peter Gabriel mit Abschluss seines Studiums klar. „Als ich nach Österreich kam, um Pfarrer zu sein, war öffentlich bekannt, ich bin schwul”, so der Norddeutsche, der wegen seines Lebensgefährten Peter Pröglhöf nach Salzburg gezogen ist. Dieser war von 1987 bis 2000 als Pfarrer in Saalfelden tätig, wohin ihm sein Partner 1995 als Gastvikar folgte. Schon dort war jedem klar, die beiden sind ein Paar. Nach einem halben Jahr im Pinzgau war Peter Gabriel zehn Jahre lang in einer Schulpfarrstelle in Salzburg-Taxham tätig. Seit knapp drei Jahren ist er Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Hallein und hat dort ein offenes Ohr für die rund 1.900 evangelischen Tennengauer.

Wahlerfolg. Als Gabriels Amtsvorgänger in Pension gegangen war, wurde die Stelle neu ausgeschrieben. Es gab zwei Bewerber. Ein Vorstellungsgottesdienst beider Kandidaten wurde gehalten, damit sich die Gemeinde ein Bild über die Gestaltung des Gottesdienstes machen konnte. Zusätzlich gab es ein Hearing mit Fragen an die beiden Herren. Alle Mitglieder der evangelischen Gemeinde ab 14 Jahren waren wahlberechtigt und konnten darüber entscheiden, wer ihnen zukünftig als Pfarrer zur Verfügung stehen sollte. Die Wahlbeteiligung betrug knapp 25 Prozent. Ein hoher Prozentsatz für Kirchenwahlen. „Im Rahmen dieses Wahlverfahrens war ganz eindeutig klar, ich bin schwul, ich lebe mit meinem Partner zusammen und wir wollen hier gemeinsam ins Pfarrhaus einziehen. Was wir dann auch gemacht haben”, erzählt Peter Gabriel. Er erhielt über 72 Prozent der Stimmen und hat sich damit gegen einen verheirateten dreifachen Familienvater durchgesetzt. „Das Überzeugende an der Wahl war, es ging nicht um Sexualität oder um die Lebensform. Die Leute haben überlegt, wer passt in unsere Gemeinde, wer macht welche Arbeit? Das war viel entscheidender, als was jemand im Bett treibt, sage ich einmal ganz überspitzt”, so Gabriel. Ein Vorteil sei sicherlich gewesen, dass Peter Pröglhöf sich als Theologe dazu bereit erklärt hatte, ehrenamtlich in der Gemeinde mitzuarbeiten. Er ist ebenfalls fallweise als Pfarrer tätig und kümmert sich als Fachinspektor hauptsächlich um den evangelischen Religionsunterricht in Salzburg, Tirol und Vorarlberg. „Das deutliche Wahlergebnis war im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten, aber mich haben auch sehr viele ältere Leute gewählt. Bei Gesprächen höre ich immer wieder, wie Ältere sagen, meine Homosexualität sei für sie überhaupt kein Thema”, so Gabriel. Natürlich gebe es immer wieder einzelne Gemeindeglieder, für die das einfach schwierig sei, die damit nicht zurechtkommen würden. „Es gibt manche, die sich dann ganz leise zurückziehen und nicht mehr kommen. Das gibt es aber bei jedem Pfarrer, keiner spricht alle an”, erzählt Peter Gabriel, der noch meint: „Es gibt ganz wenige, die dann protestieren und es nicht für möglich halten, dass es so ist. Sie schreiben dann Briefe, die jedoch nicht an mich, sondern beispielsweise an den Bischof gehen.” Dass man sich traue, ihn direkt anzusprechen passiere nicht. Auch in Saalfelden gab es eine Frau, die offensichtlich nicht mit ihm gesprochen habe, da sie seine Homosexualität abgelehnt hat. „Das sind im Grunde ganz marginale Erfahrungen, es gibt eine breite Mehrheit, für die das so passt”, so der Halleiner Pfarrer.

Offene Karten. In der evangelischen Kirche gibt es bezüglich homosexueller Pfarrer eine eindeutige Beschlusslage. Die sexuelle Orientierung ist kein Kriterium, geht es darum einen Pfarrer einzustellen oder nicht. Jede Gemeinde kann eigenständig wählen und entscheiden. Steht nur ein Bewerber zur Verfügung, kann dieser von der Gemeinde bei einer Mehrheit der Gegenstimmen auch nicht angenommen werden. Dann bleibt die Stelle vorerst frei und muss neu ausgeschrieben werden. Versteckspielchen wollte Peter Gabriel nie machen, für ihn war von Anfang an klar, er müsse mit seiner Botschaft und seinem Leben glaubwürdig sein. „Ich verkündige nicht meine Homosexualität, ich verkündige Jesus Christus und das Evangelium, die gute Botschaft”, sagt der 45-jährige Halleiner Pfarrer. Wenn er eine Trauung halte und von Liebe die Rede sei, spiele auch seine Erfahrung von Liebe mit hinein. „Ich erlebe das ja selber und bin mit meinem Partner schon seit über 17 Jahren zusammen.”
Dass es in der evangelischen Kirche homosexuelle Pfarrer geben darf, wurde endgültig 1996 beschlossen. Zuvor gab es diesbezüglich keine Regelung. „Es gab einen Antrag von einem Pfarrerskollegen das zu verbieten. Es gibt Gemeinden, wo Homosexualität kein Thema ist und welche, wo es schwieriger ist, die konservativer geprägt sind”, so Gabriel. In Schladming steht man dem Thema Homosexualität und Kirche weitaus kritischer gegenüber als in Hallein. Vom dortigen Pfarrer Gerhard Krömer kam 1992 auf der Generalsynode (dem obersten gesetzgebenden Organ der Vereinigten Evangelischen Kirche, Anm. d. Red.) ein Antrag mit folgendem Inhalt: „Es ist dringend notwendig, dass die Generalsynode ein klärendes Wort zum Thema Homosexualität an die Gemeinden richtet. Es ist dringend notwendig, dass die rechtlichen Folgen für Mitarbeiter unserer Kirche, die Homosexualität praktizieren, aufgezeigt werden.” Gerhard Krömer ist Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft bekennender Christen in der Evangelischen Kirche Österreichs (ABCÖ)”. Dabei handelt es sich laut deren Homepage um „eine Plattform von und für Christen aus verschiedenen Gemeinden, Werken und Vereinen der Evangelischen Kirche in Österreich”. Die Gemeinschaft bemängelt, dass Christen in der Evangelischen Kirche Österreichs „zunehmend sowohl in kirchlichen Dokumenten als auch durch Aussagen und Handlungen mancher kirchlicher Amtsträger mit einem unerträglichen Pluralismus in der Bestimmung von Werten und Inhalten des Glaubens konfrontiert” seien. Die Autorität von Gottes offenbartem Wort als Maßstab für Glauben und Leben werde relativiert und unter Berufung auf Quellen wie Wissenschaft, Meinungsumfragen und andere Religionen gesellschaftlichen Entwicklungen untergeordnet. Auf der ABCÖ Homepage heißt es weiter: „Kirchliche Bildungsprogramme erweisen sich häufig als ein „Schwimmen” im aktuellen, gesellschaftspolitischen Strom. Sie dienen damit nicht dem Sendungsauftrag Jesu, seine frohe Botschaft zu verkünden und die Völker zu seinen Jüngern zu machen. Diese Besorgnis erregende Entwicklung führte im März 1997 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft.”

Skepsis. Theologischer Sprecher der ABCÖ ist Pfarrer Andreas Gripentrog, der in der evangelischen Pfarrgemeinde Schladming tätig ist und seinen Dienstschwerpunkt in der benachbarten Tochtergemeinde Radstadt – Altenmarkt hat. „Dass Pfarrer Gabriel und Pfarrer Pröglhöf Amtsträger unserer Kirche sind, ist ein dienstrechtliches Faktum, das ich nicht zu bewerten habe. Ich pflege selbstverständlich mit beiden normale und korrekte nachbarschaftliche und dienstliche Beziehungen”, erklärt der theologische Sprecher gegenüber ECHO. Seit der Entscheidung von 1996, die zulässt, dass homosexuelle Pfarrer in evangelischen Gemeinden arbeiten, spricht sich ABCÖ dafür aus, dass die kirchliche Trauung und Segnung der heterosexuellen Ehe vorbehalten sein muss und nicht auch auf homosexuelle Partnerschaften auszuweiten sei. Auf die Frage, ob für ihn Homosexualität eine Krankheit und somit therapierbar sei, antwortet Andreas Gripentrog: „Nachdem eine wissenschaftstheoretische Klärung der Begriffe Gesundheit und Krankheit in der Medizin noch immer nicht befriedigend gelungen ist, ist die Frage falsch gestellt. Unbestritten ist, dass es auch homosexuelle Menschen gibt, die ihr homosexuelles Empfinden, also nicht etwa nur ihre Diskriminierung, als notvoll und als Zwiespalt empfinden, um Neuorientierung ringen und sich darum nicht durch programmatische Veröffentlichung ihrer Homosexualität der Schwulen und Lesbenszene zugehörig fühlen. Von solchen Menschen gibt es auch glaubwürdige Zeugnisse der sexuellen Neuorientierung.” Pfarrer Gripentrog fühlt sich dennoch der Resolution der Synode von 1996 verpflichtet, in der es heißt, homosexuell geprägte Menschen dürften nicht ausgegrenzt und diskriminiert werden. „Es gab und gibt eine Verurteilung von Homosexualität, die die Betroffenen diskriminiert und auf Motiven beruht, die nicht christlich sind. Solche Verurteilung ist abzulehnen. Gleichzeitig bin ich jedoch nicht der Meinung, dass die Diskriminierung homosexueller Menschen nur dadurch verhindert werden kann, dass man ihre Beziehungen heterosexuellen gleichstellt”, so Gripentrog im Interview mit ECHO.
Luise Müller, die Superintendentin der Diözese Salzburg-Tirol der Evangelischen Kirche, gibt zu bedenken, dass beim Ausüben des Amtes eines Pfarrers nicht die Ausrichtung der Sexualität zu bewerten sei, sondern vieles andere wie etwa die persönliche Lebensführung oder die seelsorgliche und theologische Kompetenz. Die Erfahrungen mit homosexuellen Pfarrern in ihrer Diözese beschreibt die Superintendentin als „sehr gut”. „Das hat aber nichts mit der sexuellen Ausrichtung dieser Menschen zu tun, sondern mit ihrer ganzen Persönlichkeit. Dazu gehört auch die Art, wie sie ihre Sexualität leben: in einer monogamen Treuebeziehung”, so Luise Müller. Peter Gabriel ist sich durchaus bewusst darüber, dass es in seiner Gemeinde zum kleinen Teil Mitglieder gibt, die seiner Homosexualität kritisch gegenüber stehen. Dennoch meint Gabriel: „Die Pfarrgemeinde läuft sehr gut, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr zufrieden, wir haben ein gutes Klima. Die Frage unserer Partnerschaft spielt eigentlich keine Rolle. Wir haben andere Dinge, die uns beschäftigen.”

Christian Granbacher

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

 
%d bloggers like this: